Antiobiotikumeinsatz in der Nutztierhaltung
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Antibiotikumeinsatz in der Nutztierhaltung

Pressemeldung des bpt - Bundesverband praktizierender Tierärzte

Berlin, 26. Januar 2012

Antibiotika bei Nutztieren:
Wegfall des Dispensierrechts fördert Großbetriebe

Im Rahmen der heutigen Veranstaltung „Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung – aber wie?“ auf der Grünen Woche nahm der Präsident des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Hans-Joachim Götz, wie folgt Stellung: „Wir brauchen mehr Transparenz und bessere Monitoringsysteme. Wir brauchen aber keine Skandalisierung, sondern einen sachgerechten Umgang mit dem Thema, damit sehr schnell weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden.”

Laut Götz sind Dispensierrecht und somit die kontrollierte Überwachung von Medikamentenabgabe und Behandlung von Tierbeständen durch den Tierarzt dringend notwendig, wenn der Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung zum Wohl von Mensch und Tier verringert werden soll. Ein Wegfall des tierärztlichen Dispensierrechts wird nur die größeren Betriebe fördern und keinesfalls automatisch zu einer Verringerung des Einsatzes von Antibiotika führen. Ohne wird es weniger Kontrollen geben, Medikamente werden teurer und die Überwachung des Einsatzes von Antibiotika wird erschwert.

Die Leiterin der Abteilung Agrarpolitik beim BUND, Reinhild Benning, sagte: “Es muss auf Betriebsebene erhoben werden, wie viele Antibiotika verabreicht werden.” Außerdem tritt der BUND dafür ein, dass Betriebe in Deutschland erheblich kleiner werden sollen, auch wenn das mit höheren Lebensmittelpreisen verbunden ist.

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernähung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Hans-Michael Goldmann, FDP, erklärte: „Der Ausschuss wird alles dafür tun, dass der Antibiotika-Einsatz reduziert wird. Aber wir müssen uns um Fachlichkeit bemühen. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin liegt weit hinter dem in der Humanmedizin zurück. Tierärzte verabreichen aus meiner Sicht völlig zu recht Medikamente an Tiere. Ich bin strikt dagegen, dass das Dispensierrecht für Tierärzte abgeschafft wird. Den Einsatz von Medikamenten bei kranken Tieren hat der Fachmann bzw. die Fachfrau zu entscheiden und die Tierärzte sind gut und richtig dafür ausgebildet. Wir wollen wesentlich weniger Antiobiotika einsetzen, aber wir wollen auch, dass die Tierärzte die Schaltstelle der Medikamentenabgabe sind.“

Zu dem häufig herangezogenen Argument, in anderen Ländern wie Dänemark werden weniger Antibiotika verabreicht, äußerte sich der Präsident der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Dr. Gerhard Greif: “Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die geringeren eingesetzten Mengen gerade von Antibiotika in Dänemark damit zu tun haben, dass dort das Schwermetall Zink zur Verhinderung von Krankheiten in hoher Dosierung eingesetzt wird. Zink kann Krankheiten wie Durchfall verhindern, bei deren Auftreten wir in Deutschland Antibiotika verabreichen müssen, weil es bei uns schlicht und ergreifend verboten ist.”

(Anmerkung des bpt: Laut Europäischer Arzneimittelagentur ist der Antibiotikaverbrauch beispielsweise in den Niederlanden und in Frankreich erheblich höher als in Deutschland.)

 

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